SCHEIDUNG.
VORTEILE &
NACHTEILE.

RENTENAUSGLEICH: WER KRIEGT DIE PUNKTE?

Analyse

In aller Kürze

"Wer bekommt welche Rente? Der Versorgungsausgleich ist der wohl komplizierteste Teil der Scheidung, bei dem es um zehntausende Euro für das Alter geht."

Vorteile & Chancen

Soziale Gerechtigkeit im Alter.

Ausgleich für Familienarbeit gesichert.

Unabhängigkeit von der Ex-Partner-Rente.

Nachteile & Risiken

Spürbare Kürzung der eigenen Rente möglich.

Erhebliche Verlängerung des Scheidungsverfahrens.

Komplizierte Berechnung bei privater Vorsorge.

Versorgungsausgleich: Die Rente als Spiegel der Ehe

In Deutschland wird die Ehe als Solidargemeinschaft verstanden. Das bedeutet: Alles, was während der Ehezeit an Vermögen und Altersvorsorge aufgebaut wurde, gehört beiden zu gleichen Teilen. Der Versorgungsausgleich ist das Instrument, um die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften fair zu teilen. Dies geschieht im Scheidungsverfahren meist automatisch ("von Amts wegen") und sorgt dafür, dass der Partner, der weniger eingezahlt hat (meist wegen Kindererziehung oder Haushalt), im Alter nicht ohne Absicherung dasteht.

Wie funktioniert die Rententeilung?

Das Gericht schreibt alle Rententräger an: die Deutsche Rentenversicherung, berufsständische Versorgungswerke, private Rentenversicherer und Firmenrenten-Anbieter. Diese müssen berechnen, wie viele Punkte oder welcher Kapitalwert exakt in der Zeit zwischen Hochzeit und Scheidungsantrag angesammelt wurden. Diese Werte werden dann halbiert. Ein Teil der Ansprüche des "stärkeren" Kontos wird auf das Konto des "schwächeren" Partners übertragen. Am Ende gehen beide mit exakt dem gleichen Zuwachs aus der Ehezeit in den Ruhestand.

Insider-Check

Was Ihnen kaum einer über dieses Thema verrät:

"Dass Sie Lücken im Rentenverlauf unbedingt vor der Scheidung schließen sollten. Mit dem Formular V0800 lassen sich beispielsweise wertvolle Beitragszeiten für die Kindererziehung nachmelden."

Die Zeitfalle: Warum Scheidungen Monate dauern

Der Versorgungsausgleich ist der Hauptgrund, warum eine Scheidung in Deutschland selten schneller als in sechs bis neun Monaten über die Bühne geht. Die Rententräger benötigen oft Monate, um die komplizierten Berechnungen durchzuführen, besonders wenn Kontenklärungslücken bestehen. Erst wenn alle Auskünfte vorliegen, kann das Gericht den Scheidungstermin anberaumen. Wer es eilig hat, sollte schon während des Trennungsjahres eine Kontenklärung bei der Rentenversicherung durchführen, um den Prozess zu beschleunigen.

Ausschluss des Versorgungsausgleichs: Wann ist es sinnvoll?

Man kann den Versorgungsausgleich ausschließen, allerdings meist nur durch einen notariellen Ehevertrag oder eine Trennungsfolgenvereinbarung. Das ist sinnvoll, wenn beide Partner in etwa gleich hohe Ananwartschaften haben oder wenn beide durch hohes Privatvermögen anderweitig abgesichert sind. Das Familiengericht prüft einen solchen Verzicht jedoch sehr genau: Wenn ein Partner dadurch im Alter offensichtlich der Sozialhilfe anheimfallen würde, kann der Richter den Verzicht wegen Sittenwidrigkeit ablehnen.

Besonderheit: Die kurze Ehe

Bei Ehen, die weniger als drei Jahre gedauert haben, findet der Versorgungsausgleich nicht automatisch statt. Hier muss ein Partner ihn explizit beantragen, wenn er ihn durchführen möchte. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass in einer so kurzen Zeit keine signifikanten Unterschiede in der Altersvorsorge entstanden sind, die einen massiven bürokratischen Aufwand rechtfertigen würden.

Fazit: Ein Grundpfeiler des sozialen Schutzes

Der Versorgungsausgleich wird oft als lästig und langwierig empfunden, ist aber einer der wichtigsten Errungenschaften des Familienrechts. Er stellt sicher, dass Lebensentscheidungen – wie das Zuhausebleiben bei den Kindern – nicht Jahrzehnte später mit Altersarmut bestraft werden. Er ist die finale Quittung für die gemeinsame Zeit, die für beide Seiten im Alter Sicherheit schafft.